
Die Sommerzeit habe ich genutzt, um Bücher auszusortieren. Nicht weil sie mir nicht mehr gefallen würden, sondern weil ich Platz schaffen wollte für neue Geschichten. Von 13 Büchern und insgesamt 4874 Seiten geschriebenem Text habe ich mich getrennt. 4874 Seiten, die garantiert ohne KI entstanden sind, zumal ich sie allesamt vor dem KI-Zeitalter erstanden habe.
Dies hat mich zum Nachdenken gebracht. Soll ich diese Bücher tatsächlich zur Bücherhalle bringen? Es sind immerhin Werke, die von Menschen geschrieben, lektoriert, gestaltet und publiziert wurden. Und hiess es nicht immer, Geschichten und Gedanken aufzuschreiben sei eine Tugend, praktisch so alt wie die Menschheit? Schreiben sei gleichsam Handwerk und Kunst?
Wenn ich den freien Platz im Bücherregal nun mit neuen Titeln fülle, wer garantiert mir, dass die neuen Geschichten von Menschen inspiriert, geschrieben, lektoriert und publiziert wurden? Vermutlich niemand. Denn nach einer ersten kurzen Recherche habe ich festgestellt, dass erst ein deutschsprachiger Verlag KI-freie Literatur für Kinder und Jugendliche garantiert. Für Erwachsenenliteratur habe ich bislang kein vergleichbares Label gefunden und meine Recherche desillusioniert abgebrochen.
KI ist zweifelsohne ein Tool, das uns effizienter macht und in der Analyse von komplexen Zusammenhängen unschlagbar ist. Und KI-Texte müssen auch nicht schlecht sein. Der Punkt ist aber: Ich will KI-Texte in Büchern nicht lesen. Denn der Grund, weshalb mich Lesen und Schreiben faszinieren, ist die Begegnung mit dem Menschen. Ich liebe es, in Geschichten einzutauchen, die der Inspiration anderer Menschen entsprungen sind. Ich will dem Schreibflow des*der Schriftsteller*in folgen, mir meine eigenen Bilder im Kopf dazu ausmalen. Im Grunde genommen ist es das Mindset des*der Schreibenden, das im besten Fall mein eigenes Mindset berührt.
Es gibt Dinge, die will ich nicht durch KI ersetzt haben. Es sind Talente, Kompetenzen und Fähigkeiten, die uns Menschen ausmachen und die wir verlernen, wenn wir sie an die künstliche Intelligenz auslagern. Vergleichbar mit einem Muskel, der erschlafft und abbaut, sobald er nicht mehr täglich im Einsatz steht. Ich will auch in Zukunft nur Literatur lesen, die von Menschen geschrieben ist. Und ich hätte gerne ein positiv konnotiertes Label, das den Wert des Schreibens im Sinne von Handwerk und Kunst herausstreicht. Ein Prädikat wie «von Menschen für Menschen geschrieben». Für solche Werke würde ich definitiv und gerne mehr Geld ausgeben.
Es gibt neben Büchern vermutlich noch viele weitere Produkte und Dienstleistungen, die wir gerne weiterhin «von Menschen» hätten und bereit wären, den höheren Preis für die menschliche Qualität zu bezahlen.
Was bleibt unverfälscht und in unserer menschlichen Kompetenz? Was darf durch den gezielten Einsatz von KI effizienter oder durch deren Analyse noch fundierter werden? Was wollen wir in unserem Unternehmen schützen? Wie begleiten und schulen wir unsere Mitarbeitenden hin zu einem gezielten Einsatz von KI, der unser Produkt resp. unsere Dienstleistung noch besser macht, ohne die menschliche Qualität und das Denkvermögen unserer Mitarbeitenden zu untergraben?
All dies sind Fragen an unsere menschliche Intelligenz im Unternehmen.
Herzlich,
Sarah Meier-Bieri
